Etappe 5
Seelisberg – Beroldingen – Bauen – Bärchi – Isenthal
Im Kreis der alten Eidgenossen – unterwegs auf dem alten Gotthardweg
Seelisberg (801m) – Bauen (435m) – Isleten – Isenthal (770m). Höhenmeter 520m aufwärts / 570 m abwärts, Wanderzeit ca. 6 Stunden, Distanz ca. 10 Kilometer, T2 etwas Trittsicherheit. Seelisberg - Bauen (mit Bergbahn und Schiff möglich). Isleten – Isenthal (mit Bus möglich). Rückreise ab Isenthal nach Flüelen mit dem Bus oder via Isleten mit Schiff (SGV) in Richtung Brunnen-Treib – Beckenried – Luzern möglich.
Über Sonnenberg, Marienhöhe und Beroldingen nach Bauen
Wir beginnen die 5. Tagesetappe von Seelisberg nach Bauen (ca. 80 Minuten) bei der Wallfahrtskapelle Maria Sonnenberg (801 m ü.M.). Pilger reisten einst aus ganz Europa an. Die 1350 geschnitzte wundertätige Madonna soll von einem Hirten im Wald gefunden worden sein. Der Weg führt am Grand Hotel Sonnenberg vorbei, bis 2025 das Maharishi European Research University, bald ein markanter, spezifisch auf den Ort ausgerichteter Hotelkomplex mit nationaler und internationaler Ausstrahlung (Halter AG). Bereits um 1852 baute Tourismuspionier Michael Truttmann das Gasthaus zum Hotel mit Weltruhm um. See, Berge und Rütli lockten in der Belle Époque die gehobene Gesellschaft an, berühmte Personen wie Richard Wagner, Gottfried Keller, Konrad Adenauer, auch Könige, Kardinäle und Kunstschaffende. – Beim Tanzplatz und Kinderspielplatz verlassen wir die Dorfstrasse in Richtung Weg-der-Schweiz durch den Tannwald bis zur Marienhöhe (geschichtsreise-seelisberg.ch). Unterwegs stösst man auf Karrenfelder, Granit-Findlinge und Gneis aus der Eiszeit vor 20’000 Jahren. Die Aussicht ist beeindruckend. Der Fjord von Uri mit Fronalpstock und Rophaien, die Axen- und Drusbergdecke, die mächtigen Mythen. Das Panorama hat der Genfer Maler Charles Giron im grossen Wandgemälde im Berner Nationalratssaal verewigt. Vorbei geht’s bei der Seilbahnstation Weid, oberhalb dem Bergseeli mit Naturcamping. Beim Schloss Beroldingen (erwähnt um 1500) besuchen wir die Kapelle mit dem Rokoko-Altar. Wir wandern auf asphaltierter Strasse zum Weiler Wyssig, auch hier plante man einst die linksufrige Luzern-Gotthard Autobahn.
Bauen, die südliche Riviera am Urner See
Nun geht’s 960 Stufen abwärts, auf historischen Wegsubstanzen mit gemauerten Gassen und gepflasterten Saumwegen. Bauen am Urnersee wurde um 1150 erstmals erwähnt. Monumental erhebt sich der Bristen (3072), als Teil des Aaremassivs, am südlichen Ende der Reussebene. Bauen erhielt erst 1956 eine befahrbare Strasse, war lange abgeschieden. Das kompakte Ortsbild ist von nationaler Bedeutung, hat südlichen Charme. Es wachsen gar Bananen- und Palmbäume. Neben der sehenswerten neuklassizistischen Dorfkirche St. Ida steht ein Denkmal für Pater Alberik Zwyssig (1808-1854), dem Komponisten des Schweizer Psalms. Der Text wurde 1981 als offizielle Hymne bestimmt. Die SGG schlägt einen aktuelleren Text vor. Geburtsort ist das denkmalgeschützte Zwyssighaus, bis vor kurzem Gourmet-Gasthaus (ferner: Restaurant Fischli am See, Beachhouse Isleten, Schlossrestaurant A Pro Seedorf).
Von Bauen zurück nach Isenthal … oder zur Isleten
Handelsleute, Kriegsherren und Künstler aus Luzern wanderten früher über Seelisberg-Bauen-Isenthal-Seedorf in den Süden. Ab Bauen nehmen wir den alten Landweg unter die Füsse. Wir erreichen nach stündigem Aufstieg die Vordere Bärchi, der höchste Punkt mit einem herrlichen Aussichts- und Picknickort. Hier führt die offene Seilbahn (in Urner Mundart: Gifi) zur Oberen Bärchi, dem Ausgangspunkt des Urner Mundartwegs. Bis ins 19. Jahrhundert war es unmöglich, am Ufer von Bauen nach Isleten bis Seedorf zu laufen. Die unüberwindbaren Felsen erforderten den Seeweg – oder aber den steilen Fussweg über Isenthal. Eindrücklich die reiche Flora und Fauna, die historische Substanz von Trockenmauern und Wegpflästerungen. Der Weg ist im Inventar historischer Verkehrswege der Schweiz (IVS) als national bedeutend eingestuft. Nach einer kurzen Pause laufen wir in 20 Minuten gemütlich zum Dorf Isenthal. Hier beenden wir den Via Urschweiz-Trail mit einem Trunk in der Gartenwirtschaft Urirotstock. Wir geniessen zum Schluss die beeindruckenden Bus-Fahrt bis SBB-Altdorf oder Flüelen. Alternativ kann man von Bauen am Weg-der-Schweiz die verkürzte Route direkt zur Isleten nehmen. Im Frühjahr 2025 wurde der wunderbar inszenierte Fussgängertunnel eröffnet, der wegen Steinschlag nötig wurde. An der Isleten treffen wir auf die historische Halbinsel mit den Resten der alten Sprengstofffabrik. Isleten ist der älteste Urner Industriestandort, der neu als touristisches Resort transformiert werden soll. Am Bachdelta befinden sich Surf-, Kite- und Badeplätze, ferner die Schiffstation und nur 300 Meter südlich das Restaurant Beach House.



