Etappe 4
Beckenried – Risletenschlucht – Emmetten – Treib – Rütli – Seelisberg
Über tosende Wasserfälle zur Wiege der Schweiz
Beckenried (436m) – Risletenschlucht – Emmetten (774m) – Treib (442m). Höhenmeter 580 m aufwärts / 570 m abwärts, Wanderzeit ca. 5.5 Stunden, Distanz ca. 15 Kilometer. Route Treib – Seelisberg auch mit Bergbahn, Rütli – Treib – Seelisberg mit Schiff und Bergbahn möglich. T2 gute Trittsicherheit.
Tobende Wasserfälle und Risletenschlucht
Die 4. Wanderetappe «Von der Urzeit bis zur Wiege der Schweiz» führt uns entlang von Uferwegen, Schluchten, kühlen Waldwegen – von Beckenried und Emmetten – zu den historischen Stätten Treib, Rütli bis Seelisberg. Wir starten an der Schiffstation Beckenried (435 m ü.M.), wandern auf den Spuren der Dinosaurier, durch die Erd- und Schweizergeschichte. Um die imposante Risletenschlucht am Dorfende von Beckenried (ca. 1¼ Stunde) zu erreichen, laufen wir auf dem leider asphaltierten Rütenen-Strässchen in Richtung Osten. Dieser Teilabschnitt des Via Jacobi und des Waldstätterwegs war früher die Haupt-Verbindung zwischen Uri-Gotthard und Luzern. Wir passieren den modernen Bootshafen unter dem imposante Lehnen-Viadukt vor dem Seelisberg Tunnel. Beim Bade- und Picknickplatz Rütenen, dort wo früher ein Steinbruch war, beginnt der Schlucht-Aufstieg. Wir bestaunen per Fernrohr an den Kalk-Felswänden die Fussabdrücke der Dinosaurier Iguanodontiden. Diese Fussspuren wurden zufällig bei der Kalkausbeutung entdeckt. Der riesige Pflanzenfresser lebte vor 120 Mio. Jahren am tropischen Urmittelmeer. Bei der Alpenfaltung wurde das Meer aufgetürmt, das Gebirge dann abgetragen. – Wir steigen nun die 130 Treppenstufen an den wilden Wasserfällen des Choltalbach hoch. Der Blick auf See und Berge werden immer offener. Über eine Hängebrücke quert man die Choltal-Schlucht Richtung Emmetten.
Emmetten – beliebter Ferien- und Kurort
Bald ist das gemütliche Bergdorf Emmetten (774 m ü.M.) erreicht. Sehenswert ist die Heiligkreuzkapelle mit 23 wertvollen Votiv- und Totentanztafeln im Weiler Sagendorf, ferner die 1922 erbaute Pfarrkirche St. Jakob und Theresia mit dem hölzernen Theresienaltar und der Goll-Orgel. Emmetten entwickelte sich zu einem beliebten Freizeit- und Kurort. Heute bieten viele Hotels-, Unterkunft- und Einkehrmöglichkeiten (u.a. Engel, Seeblick, Niederbauen, Schwybogen). Wer einen lohnenden Zwischentag einlegt, besucht den 11 Kilometer langen Wildbeobachtungspfad vom Niederbauen ob Emmetten via Faulberg und Heitliberg zur Stockhütte. Das Moorgebiet ist einzigartig, 16 Tafeln vermitteln Wissenswertes. Ein Alternativausflug ist der 2½ stündige Käseweg von der Niederbauenalp (mit Seilbahn) zur Chulm (1923 m ü.M.). Ein beliebtes Highlight ist die Familiensafari Klewenalp-Emmetten-Seelisberg, kombiniert mit dem günstigen Rundticket für Bergbahn, Postauto und Schifffahrt.
Durch kühle Waldreservate und den Brennwald...
Von Emmetten erstreckt sich der Weg durch ein kühles Waldreservat. Kurz nach Weidli, mit Blick zur Heiligkreuzkapelle, verlassen wir die Brennwaldstrasse und wandern Richtung Hintersonnwil zum Haselholzboden durch den Brennwald (mit Rastplatz, Unterstand, Feuerstelle und Hütte). Unter den Felsbändern des Stützbergs blicken wir auf die beiden Mythen. Waldgesellschaften von nationaler Bedeutung (Berg-Föhrenwald) prägen diese Etappe. Oberbauen und Scheidegg weisen auch wertvolle Moorlandschaften auf. Von der Hoch-Flüe hat man einen unerwarteten Blick auf den Ferienort Seelisberg. In Hintersteckenmatt wandert man auf asphaltierter Strasse bis Triglis. Sie ist ein Relikt der Linksufrigen. Denn statt des Seelisberg Tunnels plante man einst eine offene Strasse zwischen Uri und Nidwalden.
…. nach Volligen und Treib
Über Wiesland erreicht man den mittelalterlichen Weiler Volligen, der zur Gemeinde Seelisberg gehört. Hier befindet sich die St. Anna Kapelle, das zweitälteste Urner Haus und der Schwybogen, wo einer der wenigen Berufsfischer seine Basis hat. Vor Treib marschieren wir an einem Hain mit Edelkastanien vorbei, die dank Föhn seit dem 12. Jahrhundert hier gut gedeihen und bis ins 17. Jahrhundert ein wichtiges Grundnahrungsmittel bildete. Heute fördern Gemeinde und Kanton diese kulturhistorisch bedeutende Baumart. – Wir erreichen den gründungsgeschichtlichen Ort Treib – mit einem 800jährigen Schutzhafen und dem Haus Treib (seit 1482). Hier trafen sich vom 14. bis 16. Jahrhundert die Vertreter der Urschweiz und der verbündeten Orte. Im oberen Stock des Saals fanden über 70 Tagsatzungen statt. Treib ist per Schiff, Bahn und Auto erreichbar. Erst seit 1854 legten grosse Schiffe an. Wo früher Sänftenträger Gäste in den Kurort Seelisberg trugen, verkehrt seit 1916 die denkmalgeschützte Standseilbahn (TSB-Treib-Seelisberg-Bahn). Sie transportiert jährlich bis 100’000 Gäste, ein attraktiver touristischer Zubringer und seit 2020 Ausgangspunkt für den Themenweg «Geschichtsreise-Seelisberg».
…. zum historischen Rütli
Wir steigen vom Haus Treib über das Treib-Bort hinauf zum Weg nach Miten und Rüti, zur Seelisberger Jugendherberge. Sie wurde 1991 mit viel Charme umgebaut und bietet eine grandiose Aussicht. Wer nicht zum Rütli will (ca. 30 Minuten), zweigt nach Seelisberg ab. – Wir besuchen nun das Rütli, die „Geburtsstätte der Schweiz“ mit der Ausstellung «Geschichtsreise». Es stehen Feuerstellen, ein Brunnen und Tische zur Verfügung oder man verpflegt sich im Restaurant Rütlihaus. Hier beginnt der „Weg der Schweiz“, die 34 Kilometer lange Umrundung des geschichtsträchtigen Urnersees. Ende 18. Jahrhundert gab es gar Pläne für ein Rütli-Denkmal, das Märchenschloss des König Ludwig II. von Bayern (1845–1886). Doch 1859 kaufte die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft (SGG) rechtzeitig die Wiese als «unveräusserliches Nationalheiligtum». Vor dem 2. Weltkrieg, am 25. Juli 1940, schwor General Guisan die höchsten Schweizer Offiziere beim Rütli Rapport auf die Wehrbereitschaft ein. Im Bundesfeierjahr 1991 realisierten die Kantone ab Rütli den nationalen «Weg-der-Schweiz» (SchweizMobil Nr. 99).
Neue Geschichtsreise Seelisberg-Rütli
Seelisberg verbindet spektakuläre Landschaften mit Originalschauplätzen und nationalen Mythen. Seit 2018 führt die Via Urschweiz (Nr. 599) und seit 2020 die «Geschichtsreise» am Rütli vorbei. Neben dem Rütli-Gasthaus lädt eine museale Ausstellung (SGG) und die Freilichtausstellung «Geschichtsreise Seelisberg-Rütli» die Gäste ein. Hier entstand im 16. Jahrhundert die Befreiungstradition, das Narrativ zu Tell, den Vögten, zum Rütlischwur und Burgensturm. Die viersprachige Ausstellung erzählt Geschichten übers Rütli, die Verkehrsachse zum Gotthard und über berühmte Gäste Seelisbergs. Die öffentlich zugängliche, viersprachige (D, F, I, E) Ausstellung führt spielerisch an die Stationen: Treib, Schibeboden, Schillerbalkon, Hotel Sonnenberg und auf die Mariahöhe.
Vom Rütli zum Tourismusdorf Seelisberg
Nach dem Besuch des Rütli, wo drei Eidgenossen 1291 gemäss sagenhaften Erzählungen mit einem Schwur die Schweiz gründeten, wandern wir vom Rütli-Gasthaus im Laubwald-Schatten hinauf nach Seelisberg (801 m ü.M.). Das traditionsreiche Tourismusdorf zählt nach Andermatt die meisten Übernachtungen in Uri. Es bietet schöne Aussichtsterrassen, eine Schau-Bergkäserei und einen idyllischen Berg-Badesee mit Campingplatz. Mehrere Restaurants und Hotels laden Gäste ein (Bellevue, Montana-Waldegg, Bahnhof, Träumli, Seerestaurant Schwybogen, Volligen, Haus zur Treib).






